Die Lüge von der Work-Life-Balance

An einem Arbeitsplatz steht ein Monitor dessen Bildschirmschoner sagt: Do More.

Seit Jahren wird uns eingeredet, wie wichtig eine ausgewogene Work-Life-Balance für unser Wohlbefinden ist. Dass unser Alltag nur durch ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit funktionieren kann. Aber das Konzept Work-Life-Balance hat einen Haken. Wir verraten euch welchen. 

Es ist doch so: spricht man von einer Balance zwischen 2 Dingen, dann geht es darum, dass die eine Seite die andere ausgleicht. Man kann sich eine altmodische Waage vorstellen, bei der die Arbeit auf der einen und das Leben auf der anderen Waagschale liegt. Arbeitet man zu viel, gerät die Waage ins Ungleichgewicht und man muss für Ausgleich sorgen. Was Tolles unternehmen zum Beispiel. So einfach ist das. Oder etwa nicht? 

Eine Waage mit einer Schale an jeder Seite steht symbolisch für die Work-Life-Balance.
Arbeit und der einen und Leben auf der anderen Seite der Waage – das Konzept von der Work-Life-Balance hat jedoch einen Haken.

Nein, so einfach ist es nicht. Denn der Begriff Work-Life-Balance hat einen Haken. Er suggeriert, dass die Arbeit kein Bestandteil unseres Lebens ist. Arbeitszeit wird somit als “vergeudete” Zeit betrachtet, die man durch das, was man in der Freizeit erlebt, erst wieder ausgleichen muss. Aber habt ihr mal überlegt wie viel Lebenszeit wir “vergeuden”, wenn wir die Arbeitszeit nicht dazuzählen? 

1500 vergeudete Stunden

Gehen wir mal von einem Arbeitstag mit 8 Stunden und einer Vollzeitbeschäftigung aus. Damit sind wir bei 40 Stunden pro Woche oder 160 Stunden im Monat. Im Jahr wären das 1920 Stunden. Natürlich muss man 6 Wochen Urlaub, 10 Feiertage und im Schnitt 10 Krankheitstage pro Jahr abziehen. Dennoch arbeiten wir rund 1500 Stunden pro Jahr. Was für eine Verschwendung! 

Ein Mann ist komplett mit Post-it Zetteln vollgeklebt, die signalisieren, wie viel Arbeit er noch zu erledigen hat.
Wenn man Arbeitszeit als vergeudete Zeit betrachtet, vergeuden wir einen großen Teil unseres Lebens.

Die Work-Life-Balance hat einen Haken

Wir müssen euch sicher nicht weiter vorrechnen, wie viel Zeit wir also in unserem gesamten Arbeitsleben “vergeuden”. Worum es geht ist klar, oder? Der große Haken des Konzeptes der Work-Life-Balance liegt aber nicht nur in der Begrifflichkeit, sondern vor allem in unserer eigenen Perspektive.  

Es geht nicht darum, irgendwas auszugleichen, sondern vielmehr darum, die eigene Perspektive zu ändern und die Arbeit nicht als etwas zu betrachten, das außerhalb des Lebens stattfinden und nicht zu unserem Leben dazu gehört. Das ist die falsche Denkweise. Und Studien zufolge verstärkt die mentale Trennung von Arbeit und Privatleben sogar das Burn-out-Risiko. Wir müssen also umdenken. Nur wie?  

Arbeitszeit ist auch Lebenszeit

Nun, zum einen dürfen wir Arbeit und Leben nicht mehr als Gegensätze betrachten. Man kann auch während der Arbeitszeit bewusst leben, glücklich sein, Achtsamkeit praktizieren und positiv denken. Der Kaffee im Büro kann genauso entspannend sein, wie das Feierabendbier zu Hause. Und der Austausch mit den Kollegen, der erfolgreiche Abschluss eines Projekts oder der Lob des Vorgesetzten kann sich sehr positiv auf unser Wohlbefinden auswirken. Arbeit ist längst nicht mehr nur notwendiges Übel, um den Lebensunterhalt zu sichern. Deswegen müssen wir lernen, die Zeit, die wir mit Arbeit verbringen, als ebenso lebenswerte Zeit ansehen, wie unsere Freizeit.  

Zudem müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass es ein sinnloses Vorhaben ist, Unzufriedenheit im Beruf durch befriedigende Freizeitaktivitäten auszugleichen. Wir fangen jetzt nicht wieder an zu rechnen, denn ihr wisst ja selbst, wie viele Stunden ihr vor und nach der Arbeit effektiv für Freizeit zur Verfügung habt. Fakt ist: die meiste Zeit des Tages arbeiten wir. Wer sein Leben 100 Prozent lieben will, der muss auch seine Arbeit lieben. 

Eine Frau sitzt glücklich an ihrem Schreibtisch und widmet sich der Arbeit.
Wer die Arbeitszeit als positive Zeit genießen kann, steigert seine Zufriedenheit und sein Wohlbefinden.

Der Schlüssel zum Wohlbefinden

Die Zauberformel für unser Wohlbefinden ist also klar: Liebe deinen Beruf! Aber was ist, wenn man tagein tagaus am Fließband steht oder schwer körperlich arbeiten muss? Oder wenn man von Verantwortung und Druck geradezu erschlagen wird. Wir geben zu, es ist nicht immer leicht, seinen Beruf in allen Facetten zu lieben. Identifikation ist an dieser Stelle sehr wichtig.  

Menschen, die sich mit ihrer Position und ihrer Arbeit identifizieren, entwickeln auf Dauer eine Verbundenheit mit ihrem Beruf. Sicher ist hier viel Arbeit seitens der Unternehmen und Führungskräfte nötig, aber wir können ja schonmal bei uns selbst anfangen. Wir müssen den Sinn hinter unseren Tätigkeiten erkennen und uns darüber bewusst sein, welchen Wert wir für das Unternehmen haben. Denn die eigene Wertschätzung spielt eine zentrale Rolle.  

Gleichzeitig sollte man aber auch in regelmäßigen Abständen reflektieren und hinterfragen, ob der Beruf wirklich noch dauerhaft erfüllend ist. Kleine Talfahrten sind absolut normal, aber wer langfristig unglücklich ist, der sollte möglichst keine weiteren kostbaren Stunden vergeuden und sich nach Alternativen umschauen, die zur eigenen Persönlichkeit passen, die Arbeitszeit wieder lebenswert machen und so das Wohlbefinden steigern. 

Wer jetzt an dem Punkt ist, seine Einstellung zu Beruf und Leben überdenken zu wollen und eine kleine Auszeit dazu nutzen möchte, der kann einen Blick in unserer Rubrik Wohlbefinden werfen. Dort wartet eine tolle Auswahl an Retreats und Workshops 

Fotos: Danke an Simon Rae (Titelbild), Elena Mozhvilo, Luis Villasmil und Bruce Mars.

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