Wird die Welt nach Corona besser?

Achtsamkeit während der Corona-Krise: ein Mann spaziert am Strand entlang und genießt den Sand zwischen seinen Zehen.

Wir malen es uns aus. Wie es sich anfühlt, wenn wir das erste Mal wieder am Meer sitzen, die Salzluft riechen und Sand zwischen unseren Zehen spüren. Wie es schmeckt, das erste Glas Wein, dass wir nicht zu Hause auf dem Sofa, sondern mit den Freunden im Restaurant genießen. Oder wie die erste unbeschwerte Umarmung sein wird, mit unseren Eltern oder Großeltern, die wir wochenlang nicht sehen konnten. Werden sich diese Dinge nach der Krise besser denn je anfühlen? Wie sieht die Welt nach Corona aus?

Fakt ist: Die Welt wird sich irgendwann langsam erholen und unser Leben normalisiert sich. Schritt für Schritt kehren wir – etwas verändert und mit Mundschutz – in unseren gewohnten Alltag zurück. Allerdings wird die Corona-Krise die Wirtschaft, die Gesellschaft und uns selbst noch sehr lange prägen. Viele Aspekte unseres bisherigen Lebens haben einen Riss bekommen. Manche Dinge werden in der Zukunft anders bleiben – denken wir nur mal an das neue Hygieneverständnis. Andere Dinge werden post-Corona vielleicht besser sein.

Zukunftsforscher sind sich einig, dass diese Krise definitiv auch einen positiven Strukturwandel mit sich bringt. Die Welt hat nun die Chance, sich neu zu positionieren. Und für uns Menschen rücken Werte wie Zusammenhalt, Wohlbefinden und Hilfsbereitschaft aber auch neue Chancen, beispielsweise durch die Digitalisierung, in den Vordergrund. Szenarios und Trends werden prognostiziert aber Fakt ist: die Bilder der Zukunft sind noch unscharf 

Veränderte Routine 

Die Krise hat viele von uns zur Entschleunigung gezwungen und die Rhythmen des Alltags sind nun völlig andere. Da ist beispielsweise der Beruf: Die Arbeit im Home-Office erfordert neue Tagesabläufe, eiserne Disziplin (vor allem wenn nebenbei noch Kinder betreut werden wollen) und ein wenig Nachsicht mit uns selbst. Hundertprozentig funktioniert es noch nicht und das ist auch nicht schlimm. Weniger Meetings, weniger Geschäftsreisen – Zoom sei Dank. Wir stehen auch später auf, denn der Arbeitsweg entfällt. Geduscht wird im Laufe des Vormittags, nach der Yogastunde im Wohnzimmer. Und unsere Freizeit verbringen wir häufiger an der frischen Luft – im Park, beim Joggen oder Spazieren – statt in Cafés zu sitzen, Museen zu besuchen oder uns in geschlossenen Räumen aufzuhalten. 

Dann wäre da noch das Konsumverhalten: wir shoppen online, der Lieferdienst ersetzt das Restaurant und was durch nicht stattfindende Kino-, Konzert-, und Kneipenbesuche gespart wird, investieren wir in “bessere” Lebensmittel. Die Seite Chefkoch erlebt ein Hoch wie sonst nur während der Weihnachtsfeiertage. Selber kochen ist Trend. 

Auf das Reisen hat die Corona-Krise wohl mit den größten Einfluss. War es noch vor wenigen Monaten ganz normal, mal für ein langes Wochenende nach Barcelona zu fliegen, zu Geschäftsterminen quer durch Deutschland zu jetten und vielleicht mindestens einmal im Jahr eine Fernreise zu unternehmen, so ist all dies nun buchstäblich in weite Ferne gerückt. Und siehe da: es geht ja auch ohne. Oder? Vielleicht hat dieser Zwangshausarrest dazu geführt, dass wir heimische Gefilde wieder mehr wertschätzen und erkennen, wie schön und vielseitig das eigene Land ist. Wie absolut unnötig viele unserer Flugreisen eigentlich sind. Und sicher realisieren auch viele Unternehmen, dass sich Meetings oft online durchführen lassen. Das spart viel Zeit, Geld, Aufwand und Emissionen. Da sollten wir alle jetzt einmal drüber nachdenken – die Umwelt dankt es uns.

Auch viele andere Bereiche unseres Alltags werden von der Krise beeinflusst: wir surfen anders (Netflix statt Airbnb), googlen anders (Ärzte statt Konzerte), telefonieren mehr (vor allem Videotelefonie) und selten war die Nachfrage nach 1000-Teile-Puzzles und Gesellschaftsspielen so hoch. 

Die Corona-Krise verändert Routinen: Puzzle sind in Krisenzeiten sehr beliebt geworden.
Neues Hobby der Isolation: Puzzles und Gesellschaftsspiele boomen wie nie.

Neue Normalität 

Wir haben uns langsam eingegroovt in der Krise. Und jetzt, da die ersten Lockerungen in Kraft treten, hat das Ganze ein bisschen was vom Frühlingserwachen. Das Wetter ist sonnig, die Straßen voller, die Leute essen Eis – zum Mitnehmen auf die Hand versteht sich. Es fühlt sich positiv an, wenn auch noch sehr vorsichtig. Man sieht einige Schulkinder mit Ranzen auf dem Rücken und bald werden auch die Spielplätze wieder laut. Insgeheim trauen wir uns sogar, Pläne zu schmieden. Vielleicht ist ja doch ein kleiner Urlaub im Sommer drin. Sicher nicht an den indischen Ozean, aber vielleicht an die Ostsee. 

Die Sehnsucht nach Normalität wird täglich größer und wir sind uns sicher: das Leben fühlt sich bald wieder normal an. Aber es wird nicht dieselbe Normalität, wie wir sie kennen. Viele Dinge werden noch eine ganze Weile lang nicht möglich sein: Großraumbüros, Reisen in ferne Länder, Konzerte auf engstem Raum und Unbeschwertheit unter vielen Menschen. Aber vielleicht landet die Yogamatte bald im Schrank, weil das Studio wieder geöffnet ist. Der Städtetrip mit der besten Freundin kann in ein paar Monaten nachgeholt werden. Und die Vorstellung, dass die Lieferdienstbestellungen wieder echten Restaurantbesuchen weichen ist doch traumhaft, oder? 

Veränderungen durch die Corona-Krise: eine Menschenmenge bei einem Konzertbesuch ist derzeit unvorstellbar und in weite Ferne gerückt.
Auf Konzertbesuche müssen wir leider wohl noch lange verzichten.

Die Krise als Chance 

Auf persönlicher Ebene hat uns die Corona-Krise schon jetzt vieles gelehrt: Achtsamer zu werden, Prioritäten neu zu ordnen, flexibel zu bleiben und vor allem dankbar zu sein für die Dinge, die man im Alltag nicht mehr wertgeschätzt hat, weil sie immer da waren. Sie hat die Menschen gelehrt zusammenzurücken – trotz 1,5 Meter physikalischem Abstand. Und sie hat uns gezeigt, dass das Hamsterrad angehalten werden kann und dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist, etwas Tempo aus dem Leben zu nehmen. Viele Menschen erleben den Alltag derzeit bewusster, mit mehr Zeit und voller Achtsamkeit. Sie trotzen dem Lagerkoller durch Kreativität und Flexibilität, erlernen neue Fähigkeiten und entwickeln ein neues Verständnis für das eigene Wohlbefinden.  

Jetzt kommt es darauf an, die negativen Auswirkungen zu verarbeiten, irgendwann hinter uns zu lassen und die positiven Veränderungen zu konservieren und mitzunehmen in unsere neue Normalität, in die Welt nach Corona. Wer weiß, vielleicht weicht das Hamsterrad in Zukunft öfter mal dem Home-Office. Oder vielleicht werden das Selber-Kochen, der morgendliche Spaziergang im Park und das Puzzeln mit der Familie zur neuen Routine. Eines wird sich sicher nicht verändern: das unbeschreibliche Gefühl am Meer zu sitzen, Salzluft zu riechen und den Sand zwischen den Zehen zu spüren. 

Fotos: Danke an Amy Humphries (Titelbild), Muns/derivative work: Schlurcher und Anthony Delanoix.

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