Achtsam durch die Krise

Achtsam durch die Krise: an einer leeren Straße steht ein mobiles Schild mit der Aufschrift "Stay home"

Die Welt steht seit ein paar Wochen still. Als hätte jemand auf den Pause-Knopf gedrückt und uns in unser Zimmer geschickt, damit wir darüber nachdenken können, was wir da angerichtet haben. So fühlt es sich an. Doch neben der Angst und der Unsicherheit erfahren wir noch ein weiteres Gefühl: das Verlangen nach einer neuen Achtsamkeit.

Corona-Krise, Ausnahmezustand, Hamsterkäufe, kein Klopapier – man kann es langsam nicht mehr hören. Das Leben, wie wir es kennen, existiert derzeit nicht und wir sind gezwungen nach neuen Regeln zu spielen. Abstand zu halten. Zu Hause zu bleiben. Unser soziales Dasein bis aufs Minimalste zu reduzieren. War es bis vor Kurzem noch „Klimahysterie“, so wird „Social Distancing” ganz sicher Unwort des Jahres 2020.
Klar macht es uns sauer, wenn wir nicht so weitermachen können, wie bisher. Wir sind verunsichert, ein bisschen ängstlich auch und meistens genervt. Aber lassen wir mal für einen Moment die schlimme Seite und die ganzen katastrophalen Nachrichten dieser Pandemie außer Acht. Was passiert da gerade?

Wie gut wir es doch hatten

Wir merken jetzt, wie dankbar wir eigentlich tagtäglich für das sein müssten, was jetzt bedroht ist: Freiheit, Gesundheit, Zeit mit Familie und Freunden, die Welt bereisen, im Café sitzen, shoppen gehen, einen sicheren Arbeitsplatz haben, im Fitnessstudio trainieren, After-Work-Drinks in einer Bar, Tanzen bis in die Morgenstunden, usw. – nichts von alledem ist derzeit möglich. Also passen wir uns notgedrungen den Umständen an und träumen davon, wie es einmal war.

Achtsam durch die Krise

Wir gehen doch mittlerweile anders durch die Welt, oder? Wir genießen, wir wertschätzen, wir helfen anderen und wir rücken näher zusammen – wenn auch nicht wortwörtlich. Im Supermarkt danken wir der Kassiererin ausnahmsweise mal aufrichtig und schenken ihr ein Lächeln – aus der Distanz natürlich. Und sie lächelt zurück. Wir führen Videotelefonate mit den Großeltern, planen virtuelle Spieleabende mit Freunden am PC und ziehen das Fitnesstraining zu Hause durch (irgendwie kann man sich doch aufraffen). Wir probieren Meditation und Yoga aus, werden kreativ, entdecken neue Hobbies, lernen Skateboard fahren oder ein Instrument spielen. Im Home Office überlegen wir uns Strategien, wie wir möglichst effizient und produktiv sein können. Das Haus ist blitzeblank wie nie, der Keller ausgemistet. Und endlich haben wir auch Zeit, um auf gesunde Ernährung zu achten, probieren neue Rezepte aus und schaut man mal auf Instagram, wurde vermutlich noch nie so viel Bananenbrot gebacken, wie jetzt.

Achtsam durch die Krise: ein frisches Bananenbrot ist der Renner in Corona-Zeiten
Der Renner während der Corona Krise: selbstgebackenes Bananenbrot

Das alles ist Achtsamkeit

So tragisch und verheerend, wie der Ausbruch von Covid-19 für die Gesellschaft und die Weltwirtschaft ist so schlimm, wie sich das ganze Drumherum derzeit für uns anfühlt, so versuchen wir doch alle etwas Positives aus dieser Zeit mitzunehmen. Wir strukturieren unseren Alltag neu, erleben ihn langsamer und bewusster. Wir wertschätzen die kleinste Kleinigkeit und freuen uns über Dinge, die wir zuvor nicht einmal wahrgenommen haben. Und genau das ist Achtsamkeit. Diese schlimme Krise macht uns zu achtsameren, ja vielleicht sogar zu besseren Menschen.

Die Welt und vor allem das Klima profitieren schon jetzt. Weniger Flüge, weniger Verkehr bedeutet weniger Co2-Emissionen. In Nordindien ist zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder der Himalaya sichtbar und das Wasser in Venedigs Kanälen wird langsam wieder klar. Solche News lesen wir gerne. Das ist jetzt unsere Chance. Lasst uns auch nach der Krise achtsamer mit uns selbst und unserer Umwelt umgehen. Hier können wir ansetzen und weitermachen. Damit die Welt besser wird, sobald sie sich weiterdreht.

Fotos: Danke an Logan Weaver (Titelbild) und Klara Avsenik.

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